Heute ist mal wieder Sonntag! Woran erkennt man es, wenn einem sonst jegliches Zeitgefühl im Moment fehlt? Es wimmelt sonntags nur so von schnurrenden Rennradfreilaufkörpern und strammen Waden. Die allermeisten Rennradfahrer grüßen einen auch total nett, gerade größere Rennradgruppen sind immer sehr erfreut wenn sie unsere Packesel sehen. Am lustigsten ist es jedoch, wenn man tatsächlich mal auf weitere Radreisende stößt. Dann wird alles ausgepackt, was das Gefährt so zum Grüßen hergibt: Das Gejohle wird dann untermalt mit Fahrradklingeln oder sogar Lufthupen (so etwas brauchen wir auch noch dringend). Am krassesten waren bisher zwei Tandemradler, die noch einen Anhänger mit einem geschätzt 150W Solarmodul und Boom Box hinterherzogen. Aber auch Autofahrer hupen uns mal erfreulich zu oder winken uns zu. Insgesamt war es auch mit einer der Landschaftshighlights, in der Toscana zu radeln.
Ein Problem als Radfahrer in Italien ist jedoch, dass die angelegten Radwege meist mehr Hindernis Als Hilfe sind, hier demonstriert von dem sich korrekt verhaltenden Radfahrer Vincent in dieser Situation. Aus diesem Grund überlegen wir meist 2 oder 3 mal ob wir wirklich den Radweg anstelle der Straße nehmen sollten.
Vor Florenz ging es schließlich nochmal einen knackigen Anstieg bergauf, bevor wir nach Florenz hineinrollen konnten. Am Fuße des Aufstiegs begann es stark zu regnen, was uns aber in diesem Moment mehr Motivation als Unannehmlichkeit brachte. Den unterstehenden Rennradfahrern winkte ich in diesem Moment nur fröhlich durchnässt zu während mit mir mal wieder „die Pferde durchgingen“. Da heißt es dann Tunnelblick und die 300 Höhenmeter einmal kurz durchbeißen. In diesem Moment stellt man sich seine Tourenmitstreiter auch gerne mal als Tour de France Gegner in der Bergwertung vor, das pusht ungemein. Oben angekommen ließ der Regen auch schon nach und mit trocknendem Föhn erreichten wir schließlich Florenz.







Dort angekommen stellten wir unsere Räder schnell in der Unterkunft ab und begaben uns auf Stadterkundung. Mit der Bahn fuhren wir direkt in die Innenstadt (Haltestelle Unità) und spazierten in Richtung Kathedrale, deren gigantische Kuppel wir bei der Abfahrt nach Florenz schon aus der Ferne bewundert hatten. Wir setzten uns direkt vor den Haupteingang und bewunderten die gigantische Fassade. Die Anzahl der Darstellungen und Figuren ist überweltigend und das Meme-Potenzial dabei sehr groß (siehe Bild). Durch die Innenstadt zogen wir - inzwischen hungrig - weiter über den Fluss Arno zur Pizzaria Gusta. Die Karte bestand aus 5 Pizzen, Bier und Aperol Spritz. Bis auf eine Pizza aßen und tranken wir alles davon. Es war köstlich! Müde und gesättigt fuhren wir zurück zum Hotel. Das (mittags noch sehr motiviert formulierte) Vorhaben Wäsche zu waschen wurde kurzfristig auf unbestimmt Zeit verschoben, nur Vincent wühlte und schrubbte noch bis 1 Uhr nachts im Badezimmer, weil er es für eine gute Idee gehalten hatte vor der Florenzbesichtigung seine komplette Wäsche im Waschbecken einzuweichen.
Die Etappe nach dem Bolzener See führte uns im Laufe des Tages auf einen Schotterweg, der zwar sehr anstrengend zu fahren war, aber dafür autoleer und mit einem gigantischen Ausblick in die Berge, Felder und Wälder. Auf diesem Weg konnten wir sogar zu dritt nebeneinander fahren und uns unterhalten, was auf autobefahrenen Straßen kaum möglich ist. Auf einem etwas steileren Stück Schotterstraße passierte auch der erste „Sturz“. Einen Tag vorher haben wir noch Wetten abgegeben, wem das wohl zuerst passieren würde. Ich kam etwas vom Weg ab und das Fahrrad rutschte seitlich weg. Zwar war es dank meinen 4km/h Fahrgeschwindigkeit offensichtlich nicht schmerzhaft, trotzdem war ich etwas perplex, als Jared und Vincent nur ihre Kamera rausholten, lachten und meinten, ich soll genauso stehen bleiben. Erst als das Foto im Kasten war, kam die Nachfrage, ob alles gut sei. Einen Schlafplatz fanden wir auf einer Wiese hinter einem Restaurant. Am nächsten morgen kamen wir so früh los wie noch nie. Das lag vielleicht auch daran, dass es anfing zu nieseln nachdem wir schon aus dem Zelt gekrochen waren. Der Regen zwang uns, in Rekordzeit alles zusammenzupacken und loszufahren. Umso mehr wir in Richtung Norden kommen, umso besser werden die Straßen und die Schlaglochdichte nimmt auch ab. So fuhren wir lange auf einer Allee auf einer Teerstraße aus dem Bilderbuch und genossen das sehr.
Was uns schon öfter zum Verhängnis geworden ist - und auch an diesem Tag - ist, dass wir zu spät mittagessen. In einem Moment denkt man noch, dass man noch leicht eine halbe Stunde durchhält und im nächsten Moment merkt man, dass man jetzt sofort ganz dringend etwas essen muss. Das Problem ist nur, dass dann manchmal der nächste Supermarkt 15-20 km weg ist. Dann wird der Snackpack (Jareds roter Rackpack, in dem das Essen gelagert wird) geplündert und alles zusammengekramt, was essbar ist. Mit einem großen Loch im Bauch kamen wir bei dem nächsten Lidl an und setzten uns direkt davor in einem kleinen Park. Es gab Couscous Salat, Baguette, Butter und Käse. Meistens haben wir unser Hungergefühl in solchen Momenten so schlecht im Griff, dass wir uns einfach maßlos überfressen. Dann fallen wir in ein großes Mittagstief und müssen ein kleines Schläfchen zum verdauen einlegen. Das Weiterfahren fällt danach besonders schwer und es dauert eine Weile, bis die Energie vom Essen im Magen zu den Muskeln in den Beinen kommt.
Die kuriosesten Zufälle führten uns zu unserem heutigen Schlafplatz. Wir suchten uns mal wieder über Google Earth einen Platz aus, der sich für unser Zelt eignen könnte, stellten dann aber fest, dass die Wiese zu steil ist und fuhren deshalb weiter. Um von der Hauptstraße etwas weg zu kommen, bogen wir in eine Seitenstraße ein, die nach Rondine führte. Nach ein paar Minuten fanden wir eine gemähte Wiese, auf die Vincent und ich uns schonmal niederließen und den Platz für geeignet befanden. In letzter Zeit ist jedoch auffallend, dass Jared immer abends Superkräfte entfaltet. Dann verändert sich sein Blick, die Kopfbewegungen werden schneller und er ist voller Tatendrang. Deshalb beschloss er auch an diesem Abend, dass er das „Kloster“, das sich laut Google Maps 1 km weiter auf der Straße befand, zu erkunden. Kurze Zeit später kam er wieder und meinte, er hat Phil getroffen, der uns erlaubt hat, auf dem Fußballfeld zu schlafen. Perfekt. Wir waren uns zwar nicht sicher, was das genau für eine Einrichtung war, aber das war egal. Auf den Google Bewertungen stand irgendwas von Peace (siehe Screenshot)... sehr interessant. Ebene Wiese, Erlaubnis, dort zu schlafen, das reicht.
Als wir die Wiese bezogen hatten, kamen schon Phil und Juliana und wollten uns zum Essen einladen. Da die Nudeln schon in the making waren, lehnten wir ab und sagten aber zu Obst und einem billigen Wein als Nachtisch nicht Nein. Gespannt was uns erwartet im kuriosen Kloster machten wir uns auf den Weg. Uns wurde direkt eine Dusche angeboten und bevor wir näheres herausfinden konnten, nahmen wir dieses Angebot an. Jared wurde von Phil mitgenommen in seine WG zum duschen und ich von Juliana in ihre. Danach sah ich ihn erstmal eine Weile nicht, weil mir 2 Frauen aus Julianas WG erstmal erklärten, was es mit diesem Ort auf sich hat:
Es ist ein Projekt, in dem verschiedene Personen aus Krisenregionen zusammengebracht werden und gemeinsam unter einem Dach leben. Wir haben Menschen aus Kolumbien, Mali, Aserbaidschan, Georgien, Russland, Bosnien und Herzegowina, ... kennengelernt. Die TeilnehmerInnen bleiben dort für 1-2 Jahre und belegen verschiedene Seminare, reden über die Konflikte und können währenddessen ihren Master an einer Universität in Italien machen. Jared befand sich zu dieser Zeit in dem Wohnzimmer von Phil und wurde wie ich über das Programm aufgeklärt.
Einschub Jared:
Ich verweilte also in dem sogenannten Smoking Room und war dort erstmal mit Sergio am quatschen. Er kommt wie Juliana auch aus Kolumbien und wusste so einiges zu erzählen. Der Gebäudekomplex ist zum einen Überbleibsel einer Verteidigungsanlage der Stadt Arrezo aus mittelalterlicher Zeit und zum anderen Reste eines ausgestorbenen Dorfes. Nach dem ersten Weltkrieg schrumpf die Einwohnerzahl drastisch, sodass auch die restlichen Einwohner das Dorf verließen und zurück blieb nur noch die Ruine der Festung. In den 80er Jahren wurde der Ort wiederbelebt von Franco Vacari mit dem Ziel ein Ort des Friedens zu schaffen. Auf den Grundmauern der Festung wurde ein Gebäudekomplex errichtet, der mittlerweile für 33 Studentinnen und Studenten ein Stipendium für 1-2 Jahre bietet. Sergio macht währendher seinen Master in Business Administration und erzählte mir, dass er in Kolumbien daran arbeiten will, kleinen Businesses dabei zu helfen, international zu exportieren, da es hier sehr viel Know-how bedarf und wenige Investitionsinstitute daran interessiert sind. Er erzählte mir auch, dass jeder der Teilnehmer nach seiner Zeit in Rondine ein Projekt in Kooperation mit Rondine in seinem Heimatland angehen wird, dass zum Frieden und Wohlstand beitragen soll.
Interessant war auch, was er so erzählte über das Leben in Rondine. Die meisten Teilnehmer leben zu zweit in einem Zimmer, was natürlich auch Konfliktpotential bringt, jedoch auch den Austausch erzwingt. Alexis aus Georgien erzählte mir dann auch, was es bedeutet mit Menschen aus diplomatisch gesehen feindlichen Gebieten zusammenzuleben. Er sagte jedoch, dass er den Konflikt mit Russland sehr gut von der persönlichen Beziehung zu den dortlebenden Russen unterscheiden kann. Nach einer guten Weile kam schließlich Katha und Juliana wieder dazu
Einschub Ende
Irgendwann wurden wir dann wieder vereint und auch Vincent, der mittlerweile auch eine Dusche von innen gesehen hatte, gesellte sich zu uns. Dann wurde es lustig. Da aktuell 33 Personen in Rondine leben, kamen immer wieder neue Menschen durch die Türe und gesellten sich zu uns. Uns wurde ein Obstteller und Tee gebracht und wir wurden mehrmals gefragt, warum wir überhaupt hier waren. Das wussten wir selbst nicht so genau. Immer, wenn wieder eine neue Person durch die Türe kam, durfte Jared von vorne erzählen, wer wir sind, was wir machen und wie wir hier hergekommen sind. Zwischendrin wurde der Beamer angeworfen und ein Film angemacht, den wir aber nur bis zur Hälfte anschauten, weil es schon spät war und wir uns lieber noch unterhalten wollten. Irgendwann hatte sich wohl herumgesprochen, dass „3 German guests“ sich nach Rondine verirrt hatten und so kamen weitere Menschen und fragten uns: „are you the Germans?“. Jareds Geschichte, die er im Insgesamten bestimmt 10 mal erzählt hat, war zu später Stunde schon sehr smooth und oft reichte es aus, wenn wir einfach sagten: „We are the Germans“. Manchmal kam uns auch Juliana mit der Erklärung zuvor und sagte, dass sie uns gefunden hat, uns sympathisch fand und uns deshalb gekidnappt hat. Viel zu spät gingen wir dann in unser Zelt und verabredeten uns zu einem morgendlichen Kaffee und einer Führung über das Gelände. Der Häuserkomplex ist einsam im Wald gelegen mit einem gigantischen Blick über einen Fluss. Die Gebäude sind alte Steingemäuer und in sich verwinkelt, was dem ganzen Charme verleiht. Es gibt sogar eine kleine Cafeteria, wo Frühstück und Mittagessen serviert wird. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns schließlich von Juliana und den anderen Frühaufstehern (10 Uhr ;-) ) und machten uns auf den Weg nach Florenz.




Heute ging es schließlich nach Montefiascone und die Etappe war insgesamt überschaubar. Daher blieb etwas mehr Zeit, um die Gegend etwas genauer zu besichtigen. Eine Sache, die wir unbedingt noch anschauen wollten, waren die Schwefelquellen bei Vinterbo. Dort strömt zwar heißes Wasser aus dem Boden, jedoch ist der Schwefelgeruch auch sehr dominant und es stinkt stark nach faulen Eiern. Am ersten Spot war die Quelle abgezäunt und es floss kaum Wasser heraus, daher waren die Naturbäder leer. Am zweiten Spot wurden wir schließlich fündig. Obwohl das Gebiet eigentlich gesperrt war, fanden wir 2 andere Mitbadende dort und so gingen wir dann auch noch eine Runde ‚schwefeln‘.
Das Wasser war eigentlich deutlich zu heiß für diese Mittagshitze (aus der Quelle kommt es mit +50°C). Wir planschten trotzdem eine kurze Weile, bevor wir dann eigentlich deutlich mehr Lust auf kaltes Wasser verspürten. Ein paar Radkilometer weiter kamen wir an einem 4 Sterne Luxus Hotel vorbei mit diesem einladenden Brunnen im Einfahrtsbereich. Das kühle, bandförmig strömende Wasser war zu einladend und so duschten wir uns alle noch schnell. Beschwerden von Hotel Seite kamen keine ;-)
Schließlich legten wir auch noch die letzten Kilometer zurück bis zu Siggi und Birgits herrlicher Urlaubsbutze. Dort wurden wir zum Abendessen eingeladen, tobten uns zuerst aber noch im anliegenden Swimming Pool aus. Die ganze Familie von Siegfried und Birgit war mit angereist (Töchter und Enkel) und so bildete sich ein gewaltiges Essensbanket aus. Zu essen gab es frischen Fisch vom Grill, gefüllt mit Zitrone und Rosmarin und dazu Kartoffeln mit Tomaten und Oliven Snacks... ein Traum! Johanna bot uns schließlich sogar noch einen Raum in ihrem Haus an, da fiel die Schlafplatzsuche weg und der Hauswein konnte entspannt genossen werden. Spät, aber nach sehr interessanten Gesprächsrunden mit dieser herzigen Familie ging’s dann ins Bett. Am nächsten Tag gehts dann hinter Montefiascone weiter in Richtung Florenz.







Wir verließen Rom in den Vormittagsstunden und kämpften uns durch den Verkehr in Richtung ländliche Region. Mit Abnahme der Straßenqualität nahm zumindest die Verkehrsdichte ebenfalls ab und die Schönheit der Landschaft nahm zu. Da wir als nächstes größeres Ziel den Urlaubsspot von Vincents ehemaligem Lateinlehrer in Monte Fiascone im Visier hatten und die Strecke sowieso zu lang wäre für eine einzelne Etappe gingen wir es insgesamt eher gemütlich an... Fast zu gemütlich. Als wir dann um halb 8 erst den Abendeinkauf erledigten und uns noch mitten in sehr bergigem Gebiet befanden, merkten wir, dass die Schlafplatzsuche jetzt dringend beginnen muss. Das Gebiet war bis auf die Siedlungen eher dicht bewaldet und vereinzelt landwirtschaftlich genutzt. Bei einer Baumplantage (Frucht keine Ahnung) fragten wir schließlich den Farmer mit der Hoffnung dass er uns einfach zwischen den Baumreihen schlafen lassen würde. Dieser überlegte jedoch kurz und schickte uns schließlich 200 Meter weiter und dann auf eine Schotterstraße die angeblich zu einem Casa führt, in dem wir schlafen könnten. Etwas verwundert folgten wir dem Ratschlag und waren beinahe schon zufrieden mit dem Wald, in dem wir uns kurze Zeit später dann befanden. Das Casa weckte aber doch noch etwas Neugier in uns und so radelten wir weiter bis wir an eine gewaltige Hofeinfahrt mitten im Wald gelangten.
Verunsichert passierten wir das geöffnete Stahltor und gingen die sehr lange Allee hinunter zum Anwesen. Katha summte Hotel California vor sich hin, wir wussten noch nicht, wie sehr Recht sie damit haben wird. Dort bemerkten wir zuerst ein riesiges Haus, das jedoch komplett verschlossen war. Daneben war eine ebenfalls riesengroße Wiesenfläche, die super zum Campen geeignet gewesen wäre. Wir versuchten noch jemanden dort zu finden und liefen schließlich zum kleineren Haus dahinter hinunter. Dort wurde Vincent dann jedoch direkt von Wachhunden in Empfang genommen und zurückgebellt. Soeben ertönte ein Pfiff und ein älterer Mann names Alfonso beruhigte die Hunde damit direkt. Da er kein Englisch verstand, zeigten wir ihm auch wieder einmal unseren vorgefertigten Text. Während er laß, gab er bereits einen Daumen hoch (ich vermute was die Spendenaktion betrifft... an dieser Stelle schon mal ein herzliches Dankeschön an alle, die sich bereits beteiligt haben!!). Danach führte er uns zu der Wiese und signalisierte uns, dass wir da schlafen dürfen. Er zeigte uns auch ein Badhäuschen, das wir nutzen können. Während er uns alles erklärte, überlegte er doch noch einmal kurz und fragte schließlich ob wir im Casa grande schlafen wollen. Es sei ‚no problemo‘. Wir willigten ein und kurze Zeit später standen wir in dieser riesigen Herberge, die wohl sonst für Pfadfinder Aktionen oder ähnliches genutzt wird. Wir durften die Küche mit Gasherd, sowie sogar warme Duschen verwenden und an Schlafplatz mangelte es ebenfalls überhaupt nicht. Voller Freude und etwas fassungslos, wieviel Glück wir mal wieder hatten, machten wir es uns bequem und starteten mit dem Abendessen.



Wenig später kam sein Sohn Sandro vorbeigefahren und erkundigte sich, ob wir noch irgendwas benötigen. Da Sandro sehr gut Englisch spricht, konnten wir uns bestens unterhalten. Er zeigte uns auch nochmal alles wichtige und versicherte uns, dass wir ihn jederzeit anrufen können, wenn wir noch was brauchen. Schließlich fuhr er wieder fort und Alfonso kam nochmal herein. Er bemerkte, dass wir bereits Nudeln im Kochwasser und Zucchini in der Pfanne hatten. Er fragte uns etwas mir ‚Carne‘ (Fleisch) aber wir signalisierten ihm ‚tutto bene‘. Das schien ihn wohl nicht zufrieden zu stellen und etwa 30 Minuten später kam er wieder mit einem Gitter voll gegrilltem Fleisch und Brot und 3 Bier.
Kleiner Zusatz von Katha:
Wir hatten das Angebot, dass Alfonso uns Carne bringt, zwar mit Worten abgelehnt, aber Jareds Augen sprachen wohl eine andere Sprache, die Alfonso bestens verstand. In der zweiten Woche noch stolz beteuert, dass er bis jetzt zu 100% vegetarisch unterwegs ist, fiel Jared wie ein wildes Tier über das zähe Fleisch her (Vincent und ich haben uns an Tag 4 eine Salami gegönnt). Soviel dazu. Nachdem wir unsere Vitamin B-12 Speicher wieder aufgefüllt hatten, konnten wir wieder zu unserer gewohnten vegetarischen Kost zurückgehen und verdrückten noch die Zucchini-Nudeln.


Wir waren sprachlos an dieser Stelle und wussten nicht so recht, wie wir uns so eine Gastfreundschaft ohne gescheite Kommunikationsmögichkeit überhaupt verdient haben. Ohne Frage geht natürlich folgende Auszeichnung an diesen herzlichen Menschen:
MVP des Tages: Alfonso
Nachdem wir also mal wieder über den Hunger gegessen hatten, legten wir noch eine abendliche Sportsession in Form von improvisiertem Tischtennis ein. Eine warme Dusche später schliefen wir auch schon hervorragend inmitten dieser Naturoase. Am nächsten Tag konnten wir unser morgendliches Porridge sogar mit frisch reifen Kirschen vom Kirschbaum erweitern und verließen nachdem wir alles gepackt hatten mit wehmütigem Herzen das Anwesen um nach Montefiascone weiterzureden.


In Rom gibt es am Rande des Vatikans einen kleinen Friedhof den Campo Santo Teutonico. Um Eintreten zu dürfen, muss man beim wachenden Schweizer Gardisten in deutscher Sprache den Zugang begehren.
Am morgen merkten wir aber schnell, dass die eigentliche deutsche Exklave auf römischem Stadtgebiet Roma Camping in Town heißt. Spätestens als ein „Bonn dschorno, spreeechen Siiiie deeutsch!?“ über den Campingplatz schallte, ahnten wir, wo wir hier gelandet waren.
Nach Wochen ohne Tourismus im Süden Italiens - wir sahen insgesamt bisher vielleicht zehn Autos mit deutschen Nummerschildern - war das noch etwas ungewohnt: Handtücher auf den Poolliegen, Mülltrennung, fragwürdige Schuhwerk-Socken-Entscheidungen und natürlich die deutscheste aller deutschen Tugenden im Ausland: Das kritische Beäugen der anderen deutschen Urlauber, dem wir uns offensichtlich auch nicht entziehen konnten.
Wir kamen gestern spätabends am Campingplatz an und waren nicht mehr wirklich in der Lage zu kochen, also beschlossen wir Pizza zu essen. Da die Pizzaria auf dem Campingplatz schon sehr bald schloss, fuhr ich zur nächstgelegenen Pizzeria um Pizza zu holen. Ich fand eine wunderschöne kleine Pizzaria in einer Nebenstraße. Eigentlich bestand der Laden nur aus einem gigantischen Holzofen und einer kleinen Theke. Ich war total gerührt von der Hingabe und Liebe mit der der Ladenbesitzer unsere Pizzen zubereitete und die Technik mit der er die Pizzen in zwei Meter tiefe hinten im Ofen drehte. Er schenkte uns zur Bestellung noch ein weiteres Bier und half mir meinen Gepäckträger mit den Pizzen zu beladen.
Die Pizza schmeckte FANTASTISCH!
Am nächsten morgen ging es mit der Metro ab in die Innenstadt. Da ich in den letzten zehn Jahren häufig mit einer Pilgergruppe in Rom war und auch einmal mit meinem alten Lateinlehrer Siggi Hutzel auf Studienfahrt mit der Schule, wollte ich in etwa die Tour machen, auf die er uns damals umher geführt hat.
Wir starteten in der kleinen Kirche San Carlo alle Quattro Fontane, eine winzige Kirche von Borromini, die aber mit einfachen Mitteln gebaut ist und Dank aller möglichen Tricks deutlich größer wirkt. Wir lasen einiges über den Wettstreit der Rivalen Borromini und Bernini, der besonders unterhaltsam am Piazza Navona zu bemerken ist: zumindest haben die Figuren auf dem Vierströmebrunnen von Bernini eine deutliche Meinung zu der Fasade der angrenzenden Kirche - natürlich von Borromini (siehe Foto).
Weiter ging es über den Trevibrunnen - noch nie so leer erlebt - zum Pantheon. Als ich gerade wieder kläglich versuchte mit meinem Halbwissen mir etwas über die Geschichte des Pantheons zusammen zu dichten, trafen wir meinen alten Lateinlehrer mitten im Pantheon. Was für ein Zufall! Ich wusste zwar zufällig, dass er gerade in Italien im Urlaub war, aber dass er gerade heute in Rom und gerade jetzt im Pantheon war... Die Wiedersehensfreude war groß. Anschließend wurde ich aber erst einmal zur Abfrage ans Grab von Raffael gezerrt. An der Inschrift scheiterte ich aber - trotz Lateinabi - kläglich. Siggi lud uns zu seiner Familie ins Urlaubsquartier nach Montefiascone ein. Wir freuten uns schon riesig!




Wir nutzten noch das weitestgehend touristenfreie Rom und tranken einen (sehr starken) Aperol Spritz auf der Engelsburg und spazierten in Richtung Vatikan, wo wir (ohne Schlange!!!) den Petersdom besichtigten. Wir waren natürlich erschlagen von der Größe dieser Kirche - ein Pfeiler ist größer als die komplette Kirche San Carlo, aber auch etwas angeekelt wie pervers diese Kirche ist. Da schäme ich mich fast ein bisschen katholisch zu sein.






Wir ließen den Abend auf dem Campingplatz mit Lachsnudeln und Wein ausklingen und gingen früh schlafen.








