Da wir mit dem Zug spät in Sapri angekommen sind, haben wir uns eine Unterkunft für die Nacht gebucht. Und das war goldwert. Noch schnell Nudeln mit Pesto gezaubert, geduscht und zwei Waschmaschinen hintereinander laufen lassen und schon waren wir wieder einsatzbereit.
In der Früh ging es weiter mit dem Zug in die Zehenspitze von Italien - Villa San Giovanni. Die Zugfahrt wurde wie immer genutzt, um ausgiebig Skat zu spielen. Der Punktestand fuhr dabei punktuell eine rasante Abfahrt nach unten.
Nach diesen zwei Tagen Zugfahren freuten wir uns umso mehr darauf, uns wieder in die Sättel zu schwingen und loszulegen. Nach ein paar Kilometern mussten wir dann doch anhalten, um die erste Badepause einzulegen, wobei sich die einen schneller und die anderen zögerlicher ins Wasser wagten (siehe Fotos).



Obwohl die Straße, auf der wir fuhren, immer in Küstennähe entlangführt, darf man die Höhenmeter nicht unterschätzen. Die Anstiege waren teilweise sehr anstrengend, die Abfahrt mit dem schönen Ausblick auf die Küste, das Meer und Sizilien konnten wir dafür sehr genießen.
Nach einem besonders knackigen Anstieg beschlossen wir, für das Abendessen einzukaufen und uns bald einen Schlafplatz zu suchen und lernten dabei Francesca kennen. Wir sprechen kein Italienisch - und sie kein Deutsch oder Englisch. Die Kommunikation funktionierte trotzdem irgendwie und bei dem ganzen hin und her gestikuliere verstanden beide Seiten sehr wenig und lobten nur ab und zu die „Bella Vista“ auf Sizilien. Einmal zu oft „si“ gesagt, und schon befanden wir uns im Schlepptau eines kleinen blauen Fiats, in ihm Francesca. Am Anfang waren wir wenig begeistert, weil sie uns erstmal den Berg hinaufjagte, obwohl es laut Komoot (unsere Navigationsapp) für uns nun wieder bergab gehen sollte. Wir fuhren ihr trotzdem hinterher und oben angekommen merkten wir, dass es sich gelohnt hat.






Wir kamen an einem Platz an, von dem aus man einen gigantischen Blick über die Vulkaninseln, Sizilien und das Meer hatte. Nachdem sie uns etwas die Inseln gezeigt hatte, meinte Francesca, dass sie mal wieder arbeiten gehen musste und verabschiedete sich. Wir genossen den ganzen Abend die Aussicht und kochten uns ein leckeres Risotto. Dafür hatten wir bei Francesca einen sehr dünn aussehenden Spargel eingekauft. Ein offiziell aussehender Italiener beobachtete uns längere Zeit beim Kochen, sodass wir uns schon Sorgen machten, dass kochen mit dem Gaskocher am Aussichtspukt möglicherweise nicht erwünscht war. Nachdem Vincent ihn schon „Creepy man“ getauft hatte, kam er näher und stellte sich als Chefkoch heraus. Er gab uns zu verstehen, dass es wohl nicht unerwünscht war, DASS wir kochen, sonder vielmehr unerwünscht ist, WIE wir kochen. Er empfahl uns, mehr Wein zum Spargel zu gießen und gab uns ganz energisch ein Stoppzeichen, als es genug war. Die anderen sehr lieb gemeinten Ratschläge verstanden wir eher weniger und was an dem Spargel „amaro“ sein sollte, wussten wir auch nicht. Spargelrisotto, ist doch ein klasse Essen... Später verstanden wir, was er uns die ganze Zeit sagen wollte. Der Spargel schmeckte nämlich nicht nach Spargel, sondern sehr bitter. Aus der Google-Recherche erfuhren wir später, dass es sich dabei um Vulkanspargel gehandelt hat, der verwandt mit Chicorée ist und wertvolle Bitterstoffe enthält. Das erklärte einiges..
Den restlichen Wein, der vom Kochen übriggeblieben war, genossen wir noch zum Sonnenuntergang und ließen den Abend mit Vincents Gitarrenkünsten ausklingen.
Bei der schönen Aussicht vergaßen wir vollkommen, uns einen Schlafplatz zu suchen und stellten fest, dass das im Dunkeln gar nicht so einfach ist. Die erste Wiese am Aussichtspunkt war voller Dornen und der öffentliche Platz war zu leicht einsehbar. Außerdem fuhren kurz nachdem wir am Platz angekommen waren die Carabineri vorbei und nachdem es coronabedingt eine Ausgangssperre um 22 Uhr gibt, fuhren wir noch ein Stück die Straße weiter und begutachteten einen Wald. Unglücklicherweise bemerkten uns ein paar Hunde und bellten um ihr Leben, sodass wir doch wieder zum Platz zurückfuhren. Dort angekommen bemerkten uns die dort lebenden Hunde und gaben gar keine Ruhe. Zum Glück fuhren wir noch eine andere Straße weiter, bei der es auf Google Maps so aussah, als könnte es vielversprechend werden. Dort fanden wir dann eine geeignete Stelle, um unser Zelt aufzuschlagen und verbrachten eine sehr angenehme Nacht.
Heute ließen wir es etwas gemächlicher angehen.
Von unserem schönen Zeltplatz am Waldrand ging es erstmal runter an die Altmühl zum schönen Burgsteinfelsen bei Dollnstein. Direkt unterhalb dieser beeindruckenden Felswand gibt es einen schönen Rastplatz. Also zückten wir gleich unseren Kocher und machten es uns gemütlich. Jared nutzte die Pause für ein paar schöne Drohnenaufnahmen des Altmühltals und des Burgsteins.




Hinter Eichstätt verließen wir den Almühlradweg und fuhren weiter Richtung Ingolstadt. Auf einem Edekaparkplatz konnte uns zum Glück eine Frau noch warnen: „Ingolstadt ist hässlich!“ So hatten wir es auch nicht so eilig dorthin zu kommen. Zufällig entdeckten wir auf der Karte einen kleinen Weiher auf unserem Weg, den wir für eine ausgiebige Pause nutzten. Hier konnten wir uns und unseren Rädern die dringend benötigte Wäsche verpassen.





Wieder unterwegs stellten wir fest: Ingolstadt ist wirklich nicht so schön! :D Wir waren froh, als wir schnell wieder draußen waren und in der Nähe von Baar-Ebenhausen einen wunderschönen kleinen See mit Zeltplatz zum Übernachten fanden.
Die schöne abendliche Stimmung wurde noch untermalt von drei sehr freundliche junge Herren, die mit Eisteemische, Bier und Boombox den Abend ausklingen ließen. Wir genossen unser Abendessen (siehe Kathas Rezept hier drunter) zu den wechselnden Klängen von Deutschrock, Hardstyle, Schlager, Deutschpop und Gangsterrap. Unsere Street Credibility sank leider spürbar, als Jared auf die Frage antwortete, wie viel Halbe er so aktuell vertragen würde. Aus Mitleid für unsere drei naturtrüben Radler beschenkten sie uns noch reichlich mit Bier. Unseren Schlafplatz fanden wir dank eines Tipps der drei Jungs zwei Kilometer weiter bei einem kleineren Weiher.
Wir genießen noch den Sternenhimmel und gehen zeitig schlafen, denn morgen geht es weiter mit dem Zug über München nach Verona und von dort weiter bis in den Süden Italiens.
Die ersten Tage einrollen haben trotz schlechtem Wetter und kleineren Wehwehchen sehr viel Vorfreude auf die kommenden Wochen und Monate geweckt. Denn es geht ja gerade erst so richtig los!
Hier noch das Rezept von Katha:
Pasta alla Norma
Zutaten für 3 hungrige Radfahrer*innen:
- 1 große Aubergine
- 500g Spaghetti
- 3 Knoblauchzehen
- 1 Dose Tomaten
- Parmesan
- Olivenöl, Salz, Pfeffer
Auberginen in Scheiben schneiden. Mit viel Olivenöl in der Pfanne anbraten und beiseite legen.
Drei Knoblauchzehen kleinschneiden und mit Olivenöl in der selben Pfanne anbraten, Dosentomaten dazu. Mit Salz und Pfeffer und viel Parmesan abschmecken. Auberginen wieder dazugeben und mit den Spaghetti vermengen.
Guten Appetit!
Zunächst einmal die gute Nachricht: das Zelt hält dicht! Angenehm war die Nacht trotzdem nicht. Immerhin ließ der Regen bis in den Morgen nach und wir konnten unser Hab und Gut soweit ohne zusätzliche Nässe wieder einpacken. Kaum waren unsere Räder wieder auf dem Teer, merkte ich: „Mist, Platten hinten... und das schon so früh.“ Direkt musste also der erste der beiden Ersatzschläuche herhalten und der Wechsel ging auch sehr fix über die Bühne. Schlussendlich waren wir wieder unterwegs. Als der morgendliche Nebel sich verkroch und die ersten Sonnenstrahlen zu spüren waren, hob sich die Stimmung merklich. Beim ersten Stopp auf einem Spielplatz nutzten wir die Gerätschaften direkt, um alles aufzuhängen und trockener zu bekommen und glücklicherweise wurde das „Wäschegerät“ von keinem der Kinder anvisiert, die später auf den Spielplatz kamen. Während Katha und Vincent das Frühstück vorbereiteten, machte ich mich auf den Weg zur Dorfmitte um Wasser bei einem Brunnen zu holen. Leider war der Brunnen an der Kirche bereits versiegt. Zum Glück bemerkte mich ein Anwohner, als ich etwas planlos rumstand und bot direkt seinen Gartenanschluss an, vielen Dank nochmal!




Die Route führte uns ins Altmühltal. Die geringen Höhenmeter und die Aussicht auf eine spontane Kaffeezeit bei meinen alten Freunden aus Amerika-Zeiten trieb unseren Schnitt zwischenzeitlich auf 21 km/h. Je näher wir an die besagte Ortschaft Markt Berolzheim heran radelten, desto größer wurde das Loch im Bauch und die leichte Hoffnung auf eine eventuell doch noch deftige Mahlzeit vorm Kuchen-Zuckerschock wurde mit einem köstlichen veganen Soja-Chili von Tochter Theresa mehr als übertroffen.
Wir wurden sehr herzlich im Gemeindehaus empfangen, wo wir erstmal begannen, alles noch nicht ganz Trockene über jegliche Heizungen zu hängen. Im regen Gespräch mit Myriam, Martin und Theresa fühlte es sich schnell so an, als wäre kaum Zeit vergangen nach der mittlerweile doch fast 7 Jahre zurückliegenden gemeinsamen Zeit. Martin ist nach wie vor ein absoluter Ökopionier und wir waren alle sehr gebannt von seinen Visionen der Agro-Forstwirtschaft. Dabei wird Forstwirtschaft und Landwirtschaft kombiniert, beispielsweise durch Anpflanzung von Walnussbäumen auf Weideflächen. Dadurch lässt sich der Platz optimieren, sowie die Fläche besser schützen gegen rapide Austrocknung. Das erinnerte mich direkt an die Agro-Photovoltaik, die einen ähnlichen Ansatz hat, jedoch mit der Stromgewinnungskomponente. Außerdem fährt die Familie bereits den zweiten Elektrowagen (oder dritten?) und der alt-bekannte Nissan Leaf, den ich bereits 2013 kurz fahren durfte, lebt auch noch, E-Mobilität scheint also auch längerfristig zu funktionieren. Mit Pfarrerin Myriam wussten wir zunächst nicht, mit welch aufgehendem Stern am Influencer Firmament wir es hier zu tun haben. Der anfangs Corona-bedingte Youtube Kanal scheint wohl regelrecht durch die Decke zu gehen und wir sind mehr als gespannt, uns bei der nächsten WLAN Gelegenheit eine Predigt anzuschauen.
Zögerlich und absolut überfuttert schulgen wir das Angebot aus, doch noch im Gemeindesaal zu nächtigen und verabschiedeten uns von den Lettis. Euch nochmal ein herzliches Dankeschön, dass wir euch so spontan überfallen durften. Bis hoffentlich bald wieder!



Die nächsten Kilometer führten uns entlang des Altmühltals Richtung Eichstätt. Die schöne Felsreihe, genannt 12 Apostel‘, ließen es kurz in den Fingern jucken und weckten die Sehnsucht nach der Boulderei. Schließlich wurde es Zeit für die Schlafplatzsuche. Vincent hatte dafür bereits einen Spot im Kopf, der dann aber leider von Vatertagsfeiernden bereits belegt war. Die Gruppe spendierte uns 3 Bier und wies uns den Weg zu einem Schlafplatz unweit auf einem Hügel. Dort angekommen konnten wir bei einem kleinen, aber mühsam erkämpften Lagerfeuer den Abend ausklingen lassen. Gestärkt durch die bereichernden Gespräche und leckerem Essen über den Tag ließ es sich schon deutlich besser schlafen als in der vorigen Nacht.







Nach ausgiebigem Frühstück ging es heute morgen von Würzburg am Main entlang in Richtung Ochsenfurt. Von dort über den Gaubahnradweg hinüber ins Taubertal. Trotz mäßigem Wetter ist die Stimmung top. Katha entschied sich für das Energiesparende Windschattenfahren und nahm dafür die Dreckschleuder der Hinterräder von Jared und Vincent in Kauf.
Der Gaubahnradweg lässt sich wunderbar fahren entlang der alten Bahnstrecke (siehe Bild). Auf halbem Weg machten wir Porridge-Pause bei einem kleinen Outdoor-Fitnessstudio, welches natürlich auch gleich getestet wurde.
Weiter ging es hinunter ins Taubertal bis zum Fuße des wunderschönen Rothenburgs. Der Plan „kurz einkaufen zu gehen und dann den erstebesten Zeltplatz zu suchen“ endete in einer verzweifelten Hüttensuche in strömenden Regen. Unsere Traumhütte auf einem Spielplatz war leider schon von der Geslauer Dorfjugend besetzt. Sie empfahlen uns eine Hütte 2 km weiter im Nachbardorf, die sich aber als Bruchbude sondergleichen herausstellte - so verzweifelt waren wir dann auch noch nicht. Jared holte nochmal die zweite Luft raus und peitschte uns dank Alnatura Müsliriegel bis nach Sachsen (in Bayern)! Nach 2 Stunden Suche nahmen wir dann halt doch den 0-8-15-Zeltplatz ohne Dach, ohne Bank mitten im Feld. Kochen, Dehnen, Telefonieren mit Schatzi, Blog Schreiben, Skat Spielen und Zähneputzen auf 3qm mit bedenklicher Luftqualität (dank stinkender Klamotten und Gaskocher im Vorzelt) - aber im Trockenen!
Abschließende abendliche Stoßgebete, dass sich unser Equipment über Nacht als wasserdicht erweist - morgen dazu mehr! ;-)








Nach fast zwei Jahren Planungs- und Vorbereitungszeit, mehrmaligem Verschieben und Umplanen geht es nun endlich los!
Jared und Katha kamen gestern mit dem Zug aus Freiburg in Aschaffenburg an. Da Italien verkündet hat ab 15.05 die Quarantäne bei Einreise aufzuheben, haben wir beschlossen erst Samstag nach Italien zu reisen. Statt die Quarantäne im sonnigen Süden zu genießen, radeln wir also jetzt noch vier Tage durchs verregnete Bayern in Richtung München, wo uns dann der Zug nach Italien am Samstag erwartet.
Los geht‘s!
Nach wenigen Kilometern erwartet uns der erste knackige Anstieg rauf in den Spessart. Jared und Vincent kriegen zu spüren, dass die Waage am morgen wohl doch nicht gelogen hat und Karbon und Stahl doch nicht das selbe sind. Kurz bevor wir uns entscheiden umzukehren und beginnen, unsere Lebensentscheidungen zu hinterfragen, kommen wir doch noch am höchsten Punkt an. In den nächsten Stunden werden wir aber für die Quälerei belohnt:
Auf den folgenden 20km geht es langsam bergab durch das wunderschöne Hafenlohrtal. Das Tal ist kaum bewohnt und nur selten kommt uns ein Auto entgegen.



Auf dem Weg nach Würzburg machen wir noch einen Stopp am weltbekannten Radlerheim von Hettstadt - liebe Grüße an die Familie Hetzer! 😉
In Würzburg werden wir von Vincents Eltern empfangen und ein letztes Mal fürstlich versorgt, bevor wir uns in den nächsten Tage mit Zelt und Campingkocher begnügen müssen. Wir lassen den Abend ausklingen mit einer Runde Doppelkopf bei einem Glas Wein mit Albrecht, wobei Jared historisch gut und Vincent historisch schlecht performt.






