Obwohl wir noch ein gutes Stück von der österreichischen Landesgrenze entfernt sind und die kulturelle Grenze recht schwammig verläuft in Südtirol konnte man doch beim Gardasee tatsächlich den krassesten Unterschied bemerken. Auf den Campingplätzen war schon kein ‚Bon Giorno, sprechen sie deutsch?‘ mehr zu hören, sondern direkt ein ‚Guten Morgen!‘ Auf den Straßen wimmelte es auch nur so von Münchener Kennzeichen und geschleckten Autos. Man merkt schnell, dass der Gardasee sich dem reichen Tourismus auch anpasst. Die schönen Naturstrände sind mittlerweile schon abgesperrt und Eintritt wird verlangt, in den Cafe‘s kommt der Cappucino auch nicht mehr unter 2.50 über die Theke und die Campingplätze sind hochgerüstet mit Tennisplätzen und Pools.
Etwas überfordert mit der plötzlichen Veränderung der Landschaft und dem Tourismus suchten wir um die Mittagszeit mal wieder einen Platz zum Essen kochen. Entlang der Seepromenade und hinter ein paar sehr edlen Restaurants fanden wir schließlich eine Bank mit etwas grünem Fleck und Zugang zum See. Dort gab es dann….
Rezept des Tages: Spätzle Criminale con Pilz-Sahne Soße e Röstzwiebeln graso
Zutaten:
- 500g Spätzle die übrig waren vom Vortag als man dachte man braucht für Kässpätzle bei Kohldampf sicher 1kg Spätzle…
- 1 Zwiebel
- 1 Pack Sahne
- 1 Packung Pilze
Zubereitung:
Die Pilze im anliegenden See waschen und die dreckigen Stiele der Pilze den Enten überlassen (scheint denen zu schmecken). Die Spätzle im sprudelnden Wasser kochen lassen und währendher die Zwiebeln andünsten. Für die richtige Würze auch gerne mal den Henkel der Pfanne nicht einrasten lassen und beim ersten Schwenkversuch die verteilten Zwiebelstücke im Gras etwas ziehen lassen. Anschließend die Zwiebeln zurück manövrieren in die nun korrekt eingestellte Pfanne und weiterbruzeln lassen. Anschließend Pilze hinzugeben und mit Sahne schließlich ablöschen. Spätzle abgießen und mit der Soße vermengen. Für die entspannte Atmosphäre ist gesorgt durch den spießigen Restaurant Besitzer 100m weiter, den der Zwiebel-Fauxpas sogar dazu bewegt hat, die Polizei zu rufen. Bis die jedoch eintraf, war alles aufgeräumt und aufgegessen und nichts zu beanstanden.
Einen guten Appetit!



Am nächsten Morgen erwartete uns eine böse Überraschung: Eine Zeltstange war an einer Stelle gebrochen. Vincent recherchierte gleich, ob es für unser nicht ganz billiges Zelt Ersatzteile gibt. Leider war das nicht so einfach herauszufinden, aber wie der Zufall es wollte, befand sich auf unserer heutigen Strecke ein Salewa Outlet Store (Unser Zelt ist von Salewa). Dieser wurde zugleich angesteuert. Er befand sich in einem edlen Openair Einkaufszentrum, wo sogar die Parkbänke gepolstert waren, die neben einem spießigen Springbrunnen standen. Gerade wollte ich mich auf eine dieser einladenden Sitzgelegenheiten niederlassen, schon kam eine Sicherheitskraft und zitierte uns mit den Fahrrädern vor die Tore des Einkaufsparadieses. Zeltstangen gab es auch nicht. Auf ganzer Linie ein Flop. Ein Telefonat mit dem Salewa Kundenservice stellte uns zum Glück in Aussicht, dass wir eventuell in Bozen eine Ersatzstange bekommen könnten. Hoffentlich klappt das.
Lustigerweise kreuzten wir auf dem Weg zu dieser Mall noch einen für unseren Geschmack leblosen und eher siffigen Kanal. Jedoch saßen dort dutzende Angler, die mit etwa 20m Ruten irgendwie das Wasser pflügten. Es sah aus wie ein Wettbewerb. Wir schauten ein paar Minuten zu aber einen Fisch haben wir nicht gesehen.
Die Fahrradroute, die wir insgesamt bis dato gefahren sind, haben wir mehr oder weniger deshalb so gewählt, weil sie Teil des Europaradnetzes ist. Genauer ist die Strecke der südliche Teil des Eurovelo 7, der von Sizilien zum Nordkap führt. In der Planung habe ich mich noch dafür ausgesprochen, dass wir bestimmt keine Navigation brauchen, weil es auf einem Europaradweg ja sicherlich genug Schilder geben wird. Und im Zweifel kann man ja eine Karte mitnehmen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich überstimmt wurde. Denn auf über 1000 km Strecke haben wir kein einziges Schild gesehen, was andeutet, dass wir uns auf dem Eurovelo 7 befinden. Wir haben zwischendurch schon überlegt, ob wir selbst mal Schilder aufstellen sollen. Doch nun endlich kam die Bestätigung, dass wir uns nicht verfahren hatten (siehe Bild).
Die ersten Schilder, die uns den Weg weisen und beschriftet sind mit „Eurovelo 7“. Kurz waren wir verwundert, weil wir uns an diesem Tag wohl auch mal auf dem Eurovelo 8 befanden, der hier den Eurovelo 7 kreuzt. So fuhren wir nun den Fahrradschildern hinterher. Dieser neu gewonnen Luxus hatte auch seine Schattenseiten. Denn Fahrradweg ist nicht gleich Fahrradweg. Teilweise lobten wir den Fahrradweg in den Himmel und eine Minute später verwandelte sich der perfekt geteerte Weg in eine Schotterpiste. Na toll. Ich durfte mir nicht anmerken lassen, dass mich der Kiesweg nervt. Denn schließlich hatte ich als einzige in unserer Gruppe ein Gravelbike und „Gravel“ heißt „Schotter“. Also eigentlich ein Heimspiel für mein Fahrrad. Wir stellten die Parallele von Gravelbikes zu SUVs her: Eigentlich ausgelegt fürs Gelände. Wegen Style gekauft. Nur auf der Teerstraße verwendet.
Vincent ließ es sich umso mehr anmerken, dass ihn die Strecke gerade nervt und so beschlossen wir, nicht blind den Fahrradschildern hinterherzufahren. Es war also eine ständige Vertrauensfrage: trauen wir eher den Schildern oder Komoot (unserem Navigationssystem)? Denn auch Komoot macht machmal ganz seltsame Dinge, was Jared meist mit „Die Kommode ist schon wieder besoffen“ kommentiert. So fuhren wir manchmal den Fahrradweg entlang und manchmal die Straße.
Abends buchten wir uns für eine Nacht auf einem Campingplatz am Gardasee ein. Hier ist es nur sehr schwer möglich, einen schönen Platz zum schlafen außerhalb eines Campingplatzes zu finden, da die Touristendichte sehr hoch ist. So konnten wir einen schönen Abend am See genießen, schwimmen und einen Aperol Spritz in der Strandbar schlürfen.



Es ist richtig schön, morgens aufzuwachen und zu wissen, dass alles Mögliche, was man immer so zu erledigen hat, nun erledigt ist. Die Wäsche riecht angenehm frisch und ist trocken, unser Geschirrset durfte die Putzkraft einer Spülmaschine erleben und war tatsächlich gar nicht mehr fettig (auch die Rückseite der Teller, die nervige Rillen hat und nur schwer zu säubern ist) und all unsere nassen Regensachen waren über Nacht getrocknet. Auch ich fühlte mich angenehm sauber, da die Badewanne es geschafft hat, all die Spuren der Fahrradkette von meinen Beinen zu entfernen, die sich sonst immer ein paar Tage halten und nicht ganz weggehen. Vincent und Jared bekommen es irgendwie immer hin, viel weniger Kettenabdrücke zu bekommen. Beim Frühstück in der Unterkunft holten wir uns einen ordentlichen Zuckerschock, da es ausschließlich süßes Essen gab. Kuchen, Muffins, Pancakes, gesüßtes Müsli, abgepackte Schokocroissants. Das war wahrlich ein guter Ersatz für die vielen Traubenzucker, die wir am Anfang der Reise noch in der Apotheke geschenkt bekommen hatten und die schon längst aufgebraucht waren. Mit einem viel zu hohen Blutzuckerspiegel starteten wir also die heutige Etappe und legten dank der flachen Strecke direkt mal 30km zurück. Trotzdem mussten wir uns etwas ranhalten, da unser Ziel für den Tag noch weitere 70km entfernt lag. Vincent, der Ballermann des Tages, fuhr die meiste Zeit vorne und bot einen super Windschatten und Jareds mittlerweile perfektionierte Taktik, während der Fahrt Müsliriegel zu essen, trug dazu bei, dass wir nur selten anhalten mussten.
Unser Tagesziel befand sich am Fluss, dessen Name weltbekannt ist. Der Po. Jeder kennt ihn, die wenigsten waren dort. Besonders gerne wird der Po in der Kategorie „Fluss“ bei Stadt-Land-Fluss angegeben. Spannend, diese Berühmtheit von Fluss also mal zu erkunden. Der Fluss an sich bot wenig Raum zum Wildcampen, da er dicht bewachsen ist und es auch nur so wimmelt von Lebewesen. In einem Restaurant, das nahe am Fluss gelegen ist, versuchten wir unser Glück und zeigten mal wieder unseren vorgefertigten Text mit der Bitte nach einem grünen Fleck auf dem wir zelten könnten. Total begeistert (wohl auch wegen der Spendenaktion) ließ er uns auf dem begrünten Parkplatz das Zelt aufschlagen, was uns sehr erfreute. Wir beschlossen dann auch noch ein paar kühle Getränke in dem recht edel erscheinenden Restaurant uns zu genehmigen. Bevor wir jedoch bestellen konnten, stelle uns der Kellner ungefragt direkt eine große Portion Pommes hin. Nachdem wir 3 Bier bestellt hatten und ausführlich genossen haben verweigerte der Kellner sogar auch noch, dass wir dafür bezahlen. Wir waren mal wieder überwältigt von der Gastfreundschaft und vergeben natürlich an dieser Stelle mal wieder den
MVP des Tages: Kellner
Vielen herzlichen Dank von unserer Seite!
Heute waren wir mal wieder früh auf den Beinen. Der ideale Camping Spot mit fließend Wasser und einer Bank verkürzte die morgendliche Frühstücks und Abbau Routine dann doch deutlich. Eine ungeklärte Frage war nach wie vor, wo sich die SD Karte samt USB-C Adapter befand. Wir nahmen deshalb nochmal Kontakt mit dem Hotel auf, in dem wir geschlafen hatten. Auch dort war die SD-Karte nicht. Wir packten alle nochmal all unser Gepäck aus und da tauchte die Karte zwischen Jareds Unterhosen auf. Keiner weiß, wie sie dorthin gekommen ist, aber wir waren alle ziemlich froh, dass unsere Bilder nicht weg waren. Vielleicht taucht ja zwischen Jareds Socken mal unsere Aubergine auf, die wir an einem Abend gekauft hatten, die dann aber verschollen war.
Nach dem Anstieg am Vortag ging es erstmal wieder bergab. Ein Highlight, dem wir auch schon seit einiger Zeit entgegenfieberten ereignete sich dann auch auf dieser Etappe: Endlich ein Radschild mit dem Euro Velo 7!! Uns war klar, dass die Route gerade in Süditalien noch nicht gut ausgeschildert ist, aber dass es so lange braucht hätten wir auch nicht gedacht.
Trotz der Freude kamen wir heute nicht so gut voran, weil es immer abwechselnd aus vollen Eimern schüttete und dann wieder trocken war. Wir wechselten also ständig zwischen Regenmontur und normalem Fahrradoutfit. Bis es uns zu blöd war, ständig in die halbnasse Regenhose zu steigen. Das Problem war, dass wir dann halt nass waren. Ziemlich erledigt entschlossen wir uns deshalb dazu, eine Unterkunft für die Nacht zu buchen. Glücklicherweise gab es dort sogar eine Waschmaschine und eine Badewanne und einen Fernseher. Alles Dinge, die uns mal wieder sehr gelegen kamen.



Am Morgen hatten wir erstmal Sorge, ob das Frühstück im Hotel, welches inklusive war, uns satt machen würde. Denn das gewohnte morgendliche Porridge ist rein vom Energiegehalt her fast nicht zu übertreffen. Zum Glück gab es ein Buffet und deshalb konnten wir uns mehrere Gänge ganz nach Gusto holen. Zuerst 2 Croissants, dann Müsli mit Banane und Joghurt und dann noch Käsetoast mit Ei. Reicht fürs Erste. Der Checkout um 11 wurde natürlich bis kurz vor knapp ausgereizt und so saßen wir lange gemütlich beim Frühstück und hatten Zeit, mal wieder ein paar Blogartikel in die Wege zu leiten. Um 10:59 Uhr verließen wir das Hotel und starteten beim nächsten Brunnen eine Fahrradwaschaktion. Eine alte Frau war gar nicht begeistert von dem dabei entstehenden Wasserverbrauch und da sie gar keine Ruhe geben wollte und immer davon geredet hat, dass die Gemeinde den Wasserverbrauch zahlen muss, wurde meine Kette leider nur so halb gewaschen. Darüber war ich in dem Moment gar nicht glücklich.



Da das Frühstück zu diesem Zeitpunkt schon verstoffwechselt war, wurden vor Ort noch Nudeln mit Pesto verdrückt und vor dem Anstieg, der uns bevorstand, mussten wir noch eine Cappuchinopause einlegen. Vielleicht wollten wir auch nur den Anstieg hinauszögern… man weiß es nicht. Es ging nämlich auf über 900m über Meereshöhe hoch und wir befanden uns gerade mal auf 70m über Null. Wir bewaffneten uns mit drei großen Coladosen, Riegeln und Gummibärchen, um der Herausforderung gewachsen zu sein. Kurz nachdem der Anstieg losging, griffen wir zu der viel wichtigeren Motivationsstrategie, um sportliche Bestleistung erbringen zu können: die passende Musik. Jared und Vincent fuhren am Anfang 50m vor mir und ich merkte schnell, dass ich mich lieber ein bisschen zurückfallen lasse und in meinem Tempo fahre, um Kraftreserven aufzuheben. Deshalb freute ich mich wie Schnitzel, als Jared sich etwas zurückfallen ließ, um mit mir langsam den Berg hochzufahren. Im passenden Moment, als ich ihn eingeholt hatte, drückte Jared auf Play und hatte schon die richtige Musik herausgekramt:
079 von Lo & Leduc
Ein sehr zu empfehlender Song. So oft hat er uns schon in Momenten der Kraftlosigkeit Berge hinaufgezogen. Danach wurde das ganze Repertoire ausgepackt. Hier angegeben nach Häufigkeit der Wiedergabe:
Alle Songs wurden in einer frei gewählten Tonart mitgegröhlt, solange der Text bekannt war. Die weiteren Stellen wurden ausgelassen. Allen Menschen, die ihre Langzeitausdauer verbessern wollen, sei das Anlegen einer passenden Playlist ans Herz gelegt.
Einschub Vincent:
Auch ich schleppte mich den Berg hinauf. Wollte ich mal in unberührter Natur die Landschaft und Aussicht genießen, blühte mir aber folgendes Naturschauspiel (Ton an!):
Auf dem Weg nach oben trafen wir noch einen gigantischen Käfer, ansonsten genossen wir hauptsächlich die fabelhafte Aussicht über die bewaldeten Berge.



Oben angekommen schlugen wir das Zelt an einem schönen Naturrastplatz mit Sitzbank und -tisch und einem Fluss auf. Zum Glück konnten wir uns darin noch waschen, denn sonst wäre die Luft im Zelt kritisch geworden. Jared ging wie ein echter Profi voraus ins Wasser gewappnet mit unserer Naturseife und Handtuch. Der Plan war klar: erstmal mit den Füßen ins Wasser, um sich an die Temperatur zu gewöhnen. Nach ca. 20 Sekunden rettete sich Jared ans andere Ufer, um seine schon halb abgestorbenen Füße ins Warme zu bringen. Es ist halt doch ein Gebirgsbach und der ist kalt. Da gewöhnt man sich nicht dran, auch wenn man ein paar Minuten drinsteht. Beim zweiten Anlauf schaffte es Jared, sich ganz schnell einzuseifen und sich einmal für ein paar Sekunden ins Wasser zu legen, um alles abzuwaschen. Und so konnten wir frisch geduscht das Essen genießen und ein paar Runden Skat spielen, bis das Bellen eines Hundes, welches aus dem dunklen Wald kam, uns innerhalb von Sekunden in unser Zelt brachte. Zuerst wollten wir uns gar nicht mehr aus dem Zelt bewegen an diesem Abend, dann fanden wir die SD-Karte, die all unsere Kamerabilder enthält, nicht mehr. Vincent stellte noch an diesem Abend erfolglos sein komplettes Gepäck auf den Kopf und fand die Karte nicht... - mehr dazu im morgigen Post!









