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von Vincent Kliem
am 25.06.2021
Start
Rohrbach-Berg
🇦🇹 Österreich
Ziel
Česky Krumlov
🇨🇿 Tschechien
Strecke
51,62
km

Nach der erholsamen Nacht im Haus ging es heute steil rauf in den Böhmischen Wald. Vor dem knackigsten Teil des Anstiegs deckten wir uns noch mit Nudeln und Traubenzucker ein. Mit unserer „Mörderanstieg“-Playlist versuchten wir noch alle halbwegs verfügbaren Kraftreserven zu mobilisieren. Die letzten 300 Höhenmeter waren unglaublich steil. Auf knapp 900m über NN konnten wir die Österreichisch-Tschechische Grenze überqueren. Wir fanden ein verlassenes vermutlich ehemaliges Grenzhaus, das wir erst einmal erkundeten.

Wenige Kilometer hinter der Grenze kamen wir an den Moldaustausee in einer wunderschönen Landschaft. Moritz nutzte die Zeit, in der wir auf die Fähre warteten, um sich mit ein paar Ringelnattern anzufreunden.

Für die nächsten Tage steht jetzt bis Prag der Moldauradweg auf dem Programm. Das erste sehr schlängelige Stück der Moldau kürzten wir heute aber auf der Hauptstraße ab und kamen nach Krumau. In einem Wald am Stadtrand fanden wir eine schöne Lichtung, auf der wir unser Nachtlager aufschlugen.

Eine Mitteilung am Rande

Unsere Katha hat geheiratet!!!

Auf diesem Weg noch einmal ganz liebe Grüße! Wir haben uns auch schon in Schale geworfen!

von Moritz Spannenkrebs
am 24.06.2021
Start
Engelhartszell
🇦🇹 Österreich
Ziel
Rohrbach-Berg
🇦🇹 Österreich
Strecke
46,43
km

Um Jared und Vincent mal wieder ein wenig Pause zu gönnen (seit Rom waren sie jeden Tag auf dem Rad) mieteten wir uns für drei Nächte bei den Hubers in Engelhartszell ein. Hier hatten wir ordentliche Betten, fließendes Wasser und, nicht ganz unwichtig, Schutz vor dem Wetter. Am ersten Abend nutzten wir die Zeit und die kleine Küche auch für eines unsere Lieblingsgerichte auf der Tour:

Rezept des Tages: Pilzrisotto

Zutaten:

  • Pilze (z.B. Champions - in Italien gibt es oft auch sehr leckere Pilzmischungen)
  • Wein
  • Parmesan
  • Risottoreis/Graupen (für hungrige Radler auch mal 150g pro Person)
  • Pinienkerne (für den schmalen Geldbeutel auch gerne mal Sonnenblumenkerne)
  • Lauch
  • Gemüsebrühe, Knoblauch

Knoblauch und Lauch in ordentlich Olivenöl andünsten und nach kurzer Zeit Reis hinzugeben. Eventuell Öl nachgießen. Mit Wein ablöschen, bis alles ganz bedeckt ist und dann nach und nach Gemüsebrühe dazugeben.

In einer zweiten Pfanne nacheinander Pilze und Pinienkerne anbraten. Kurz bevor der Reis fertig ist, Pilze und Kerne dazugeben und mit Parmesan und Pfeffer abschmecken.

Guten Appetit!


Während Jared sich vor allem ausruhte und Vincent das zweihundert Meter entfernte Freibad nutzte, machte ich einen Tagesausflug nach Passau zum Werkzeugkauf. Zwei Tage zuvor war mir aufgefallen, dass ich im Falle eines Plattens am Hinterrad überhaupt keine Möglichkeit hätte dieses auszubauen... Ups!

Mit Werkzeug und neuer Kraft ging es am nächsten Tag einige Kilometer weiter die Donau entlang, bevor wir uns von ihr und ihrem angenehmen Höhenprofil verabschieden mussten. Zum Abschied zeigte sie sich noch einmal von ihrer besten Seite als wir die Schlögener Schlinge bewundern durften.

Um Jared noch ein wenig zu schonen übernahm ich seine hinteren Taschen und hatte deshalb beim folgenden Aufstieg erstmals ordentlich zu kämpfen.

Die Strecke an sich war dafür umso schöner und die ansprechende Landschaft wurde durch wohlklingende Ortschaftsnamen wie „Hühnergeschrei“ passend ergänzt.

Als wir unser Tagesziel Rohrbach erreichten, war das Heraufziehen eines ausgewachsenen Gewitters bereits absehbar. Am Rande der Ortschaft bekamen wir die Erlaubnis einer Anwohnerin, auf ihrem Grundstück zu zelten. Während wir noch die Isomatten aufpusteten kam deren Nachbarin Simone auf uns zu und sprach uns auf das Gewitter an. Sie schien sich ernste Sorgen über unser Fortleben zu machen und startete eine kurze Krisenbesprechung mit ihrer Familie darüber wie uns wohl zu helfen sei. Ihr Onkel, Franz Hötzendorfer, führte uns kurz entschlossen zu seinem Bauernhaus, wo wir einen großen Raum mit angrenzender Dusche und Toilette beziehen durften.

Frisch geduscht und in mehr oder weniger gesellschaftstauglicher Kleidung folgten wir dann der Einladung von Simone und ihrem Freund Lucas bei ihnen im Haus noch den einen oder anderen Schlummertrunk zu nehmen. So verbrachten wir den Abend mit den beiden und Simones Mutter am Tisch und ließen uns ein Glas Birnenmost nach dem anderen einschenken, während die Hagelkörner ans Fenster prasselten. Spätestens als wir noch das lokale Bier testen sollten spielten auch die anfänglichen Verständnisschwierigkeiten mit dem Mühlviertler Dialekt keine Rolle mehr.

Vom Birnenmost und Schläger Bier ins Koma versetzt schliefen wir recht lange, worüber sich unser Gastgeber sehr amüsierte. Während wir noch ein gemeinsames Foto machten, klärte er uns über seine Position als Vizebürgermeister von Rohrbach auf. Wir seien also offiziell jederzeit herzlich willkommen im Dorf.

Dank der medialen Reichweite, die dieses Amt wohl mit sich bringt wurden wir auf dem Dorfplatz prompt erkannt: „Seid ihr nicht die, die bei unserem Vizebürgermeister übernachtet haben und nach Moskau radeln wollen?“

Anscheinend waren die Verständnisschwierigkeiten doch größer als gedacht...

Start
Neuburg am Inn
🇩🇪 Deutschland
Ziel
Engelhartszell
🇦🇹 Österreich
Strecke
46,4
km

Am Morgen freuten wir uns besonders darüber, dass unsere Ferienwohnung von der Familie des lokalen Edekas geführt wurde, der auch direkt gegenüber lag. Ein Edeka mit Ferienwohnung, wo gibt‘s denn sowas?

Einen weiteren Endorphinschub erhielt Jared, als wir an der Kasse die Alnaturariegel fanden. Wir langten natürlich kräftig zu!

Wir rollten in Richtung Passau los, doch Jared merkte schnell, dass eine längere Etappe auch heute nicht möglich ist. Daher entschlossen wir uns, eine Ferienwohnung für zwei Nächte zu buchen, um uns allen etwas Erholung zu gönnen. Erstaunt stellten Jared und ich fest, dass wir nun seit dem Besichtigungstag in Rom jeden Tag durchgefahren sind.

Wir fanden eine kleine Ferienwohnung in Engelhartszell an der Donau bei Familie Huber.

Bevor wir uns auf den Weg dorthin machten, nutzten wir die Vorzüge einer Stadt wie Passau um einige Erledigungen zu machen. Wir ließen uns PCR- und schnell-testen, besorgten neue Kartuschen für unsere Kocher, Ersatzteile für die Fahrräder und suchten vergeblich nach einer neuen Frisbee.

Besonders beeindruckte uns der Zusammenfluss von Donau und Inn mit ihren unterschiedlichen Farben und Temperaturen. Der gelernte Kreisliga-AbräumerJared grätschte beim Versuch die Temperatur zu erfühlen mal eben „ohne Rücksicht auf Verluste“ mit den Stollen voraus in die Donau rein, was ihn dazu zwang den restlichen Tag in Flip-Flops zu fahren.

Zusammenfluss von Inn und Donau
Zusammenfluss von Inn und Donau

Wir rollten entlang der Donau in Richtung Österreich. Bei einer kleinen Badepause trafen wir unseren

MVP des Tages: unbekannt

Bei der Badestelle trafen wir einen freundlichen Mann, der sich gerade selbst zu einer kleinen Radtour aufmachen wollte. Wir kamen etwas ins Plaudern und erzählten von unserer Route. Nachdem wir uns eigentlich schon verabschiedet hatten, kam er noch einmal mit einigen Scheinen bewaffnet auf uns zu und drückte uns mal eben 100€ (50€ für die Spendenprojekte- 50€ für uns) in die Hand. Nachdem wir perplex mehrfach nachfragten, freuten wir uns natürlich riesig über diese Spende.

Nachdem wir unsere voll beladenen Räder über ein Wehr mit 90 Stufen geschleppt hatten, waren wir wieder zurück in Österreich und direkt an unserer kleinen Ferienwohnung bei der netten Familie Huber. Wir ließen den Abend mit Skat und EM ausklingen und freuten uns schon auf den morgigen freien Tag.

von Vincent Kliem
am 20.06.2021
Start
Bad Füssing
🇩🇪 Deutschland
Ziel
Neuburg am Inn
🇩🇪 Deutschland
Strecke
24,67
km

Leider hatte sich Jareds internes Import-Export-Problem auch heute noch nicht gelöst. Deshalb beschlossen wir, es etwas langsamer angehen zu lassen. Nach einigen Kilometern fanden wir einen kleinen Badesee, den wir nutzten, um uns und unsere Räder wieder auf Vordermann zu bringen. Unsere Räder sind in den letzten Tagen, aufgrund der Anhaltenden Trockenheit und der vielen Schotterwege entlang des Inn ordentlich verstaubt. Mit der richtigen Technik aber kein Problem:

Im flachen Wasser des Sees spielten wir eine Runde Frisbee. Seit über 2500 km schleppen wir dieses wunderschöne orangene Stück Plastik mit uns rum. Es ist das einzige Gespäckstück, das unsere vekümmerten inzwischen streichholzförmigen Arme noch ab und zu fordert. Besonders gerne spielen wir in flachem Gewässer - das wurde uns nun zum Verhängnis.

Kurzbeschreibung des Vorfalls:

Jared (Linkshänder) wirft einen wohltemperierten Rückhand-Hyzer in Richtung des in etwa 30m entfernt postierten Fängers Vincent. Letzterer verschätzt sich vollkommen, macht einen Schritt in die falsche Richtung, bemerkt seinen Fehler und versucht mit einem heroischen Hechtsprung elegant die Frisbee aus der Luft zu fischen, wobei er auf ganzer Linie versagt. Die Frisbee segelt gemächlich direkt in den am dichtesten bewachsenen und trübsten Teil des Sees.

Details können den Bildern (aufgenommen von Moritz - in chronologischer Abfolge) entnommen werden:

Die verzweifelte Suche
Die verzweifelte Suche

Auch der sofort ausgerückte Suchtrupp konnte leider keine Spur mehr aufnehmen, trotz digitaler Unterstützung durch Unterwasseraufnahmen der GoPro. (Lessons learned: WLAN funktioniert nicht unter Wasser!)

Nach langer vergeblicher Suche, kehrten wir ernüchtert ans Ufer zurück.

Bye, bye Gepäckstück des Tages: Frisbee! Du hast uns viele schöne Stunden beschert!

Für die Kenner des Discgolf Sports daher noch eine kurze Beschreibung dieser Frisbee. Insgesamt sind die Discgolf Frisbees kleiner als gewöhnliche Freizeit-Discs und daher ideal für uns zum mitnehmen. Die Flugbahn und auch wie man sie wirft unterscheidet sich jedoch deutlich. Es gibt sogenannte Driver-Discs, die wir mit unserer Technik etwa knapp über 100m geworfen bekommen und die sich aufgrund der teils scharfen Kanten und hohen Geschwindigkeiten kaum zum Freizeitspielen eignet. Zum anderen gibt es dann Putter Discs. Diese sind zum versenken aus kurzer Entfernung in den Korb gedacht und daher auch für langsame Geschwindigkeiten ausgelegt. Ideal also auch zum Freizeitzocken. Unsere Disc war ein Putter von Discmania, die wir beim Opening Event des Discgolfkurs im Dietenbachpark Freiburg gewonnen hatten. Parameter der Discs waren hierbei

Speed: 2

Glide: 3

Turn: 0

Fade: 0

Hoffentlich finden wir bald Ersatz, schließlich erwarten uns noch einige Discgolfkurse in Tschechien.

Leider ging es auch nach der längeren (wenn auch strapaziösen) Pause nicht wirklich weiter und wir fanden eine schöne kleine Ferienwohnung in Neuburg am Inn. Inzwischen sind unsere primären Bedürfnisse relativ profan, wenn es um feste Unterkünfte geht. Die oberste Priorität hat eindeutig die Waschmaschine: Ich dachte nie, dass der Anblick einer solchen mich mal so glücklich machen würde. Auch weit oben auf der Prioritätenliste stehen Steckdosen. Inzwischen haben wir ein ausgeklügeltes System entwickelt, wie wir unsere Geräte (Powerbank 1, Powerbank 2, Drohne, iPad, Handys…) mit einer begrenzten Anzahl an Kabeln in kürzester Zeit laden. Anfängerfehler, wie ein iPad bei 17% nach einer Nacht im Hotel, passieren uns dadurch glücklicherweise nicht mehr.

Wir verbrachten den Nachmittag mit Wäschewaschen, Entspannen, Skatspielen und vor allem mit dem Schauen der EM-Spiele.

von Jared Faißt
am 18.06.2021
Start
Mühldorf
🇩🇪 Deutschland
Ziel
Kirchdorf am Inn
🇩🇪 Deutschland
Strecke
50,77
km

Aufgeweckt von der bayerischen Sonne, die auch früh morgens schon beeindruckende (oder beängstigende?) Kraft hatte, startete mein erster Fahrrad-Tag. Als Neueinsteiger war mir die schwere Wahl eines passenden Schlafplatzes dankenswerterweise abgenommen worden - natürlich in der kuscheligen Mitte! Während wir uns noch in unseren Schlafsäcken hin und her drehten richtete Luca, der sich wohl seinen Titel als „Mitarbeiter des Monats“ endgültig sichern wollte, bereits ein köstliches Frühstück mit frischem Kaffee her.

Beim Zusammenpacken wurde mir klar, dass Jared und Vincent bereits ein paar Tage unterwegs waren. Routiniert und in professionelles Schweigen gehüllt, wurde für jedes Teil eine passende Tasche gefunden und somit das totale Chaos in einen transportablen Zustand gebracht.

Nach der Verabschiedung von Luca und seiner noch nicht ganz ausgewachsenen Kamera machten wir uns daran, den Inn entlang zu rollen. Dank Fahrtwind war es trotz bereits fast 30 Grad recht angenehm und die dicke Schicht Sonnencreme (Lichtschutzfaktor 50 natürlich) sollte uns auch vor der kurzwelligeren Strahlung gut schützen.

Da Jareds inneres Kraftwerk Probleme mit der Logistik hatte, kamen wir an diesem Tag nicht besonders weit voran und verbrachten recht viel Zeit an einem schönen Badesee.

Ein paar Kilometer und einen Badesee weiter trafen wir auf einen (nach eigenen Angaben) ehemaligen Spieler der dritten Mannschaft des SC Freiburg, der die eine oder andere Story über seine Vergangenheit mit Jogi Löw zum Besten gab.

Am Abend, bereits auf der Suche nach einem Spot für unser Zelt, hatten wir noch das Glück, eine sympathische Biberfamilie kennen zu dürfen.

Da mein Vater im Naturschutz arbeitet und dabei speziell im Bibermanagement tätig ist, haben wir ihn um einen kleinen Gastbeitrag gebeten:

Gastbeitrag: Biber

Der Sommer ist für die Biberfamilie eine Zeit großer Aktivität. Nachdem die Familie den Winter gemeinsam im Bau verbracht hat, sind jetzt die Elterntiere und die Einjährigen reichlich mit Fressen, Dammbau, Reparaturarbeiten and der Burg und mit ihrem Familienleben beschäftigt. Wo sie ungestört sind, sind sie auch gerne am Tag zugange. Die Zweijährigen Tiere haben im Frühjahr die Familie verlassen um eine eigene Familie zu begründen. Sie machen dem Bibernachwuchs Platz, der etwa im April voll behaart und sehend das Licht der Welt erblickt. Nachdem die Jungbiber etwa drei Monate gestillt wurden, begleiten sie im Sommer ihre Eltern und Geschwister das erste mal in die Welt außerhalb des Baus. Hier gibts es viel für sie zu lernen und zu entdecken.

Um den Tieren ihre Ruhe zu lassen, haben wir unser Lager dann doch einige hundert Meter weiter an einem kleinen See aufgeschlagen.

Am nächsten Morgen war Jareds Import-Export-Problem leider noch nicht gelöst, weshalb wir weiter in gemächlichem Tempo und mit einigen Unterbrechungen am Inn entlang rollten.

Nach einem kurzen Abstecher nach Österreich machten wir uns auf der deutschen Seite recht früh auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Wir mussten lernen, dass Seen und Wiesen zwar nah und doch sehr fern sein können. Auf die Frage, wo ein Plätzchen zum Zelten zu finden sei, wusste ein älterer Bayer inmitten eines (bzw. seines) Sees (umringt von einer mehrere Hektar großen Wiese) leider nur zu sagen: „Dos hier isch privot!“.

Ein paar Kilometer später wurden wir mit einem wunderschönen Spot direkt am Inn entschädigt. Dort konnten wir uns im erfrischend kalten Wasser abkühlen. Dank der hervorragenden österreichischen LTE Netze gönnten wir uns am Abend noch das deutsche EM-Spiel und freuten uns nicht nur über den Sieg, sondern auch über Vincents gutes Händchen bei unserem Wettspiel.*

Jared hatte nach wie vor Probleme mit dem Rohstoffmanagement und dementsprechend gingen wir mit gemischten Gefühlen ins Zelt.

*Glücksspiel kann süchtig machen.